E-Health: Ärzte sehen auch durchaus Nutzen

Digitale Angebote in der Versorgung können nach Ansicht von Ärzten konkrete Vorteile für die Behandlung haben. Das zeigt der DAK-Digitalisierungsreport 2018.

Wie die nicht-repräsentative Befragung, an der sich 1.147 niedergelassene Ärzte beteiligt haben, ergibt, plädieren die Mediziner für mehr E-Health-Anwendungen im Versorgungsalltag. Rund 80 Prozent nennen als nützliche Ansätze unter anderem Videosprechstunden sowie therapiebegleitende Onlinecoachings für Patienten – zum Beispiel von einer Krankenversicherung. Bei Angeboten von Pharmafirmen herrscht auf Ärzteseite eher Skepsis vor.


Hemmschuh Fernbehandlungsverbot

Hartmannbund-Chef Dr. Klaus Reinhardt sieht in den Ergebnissen der Studie ein positives Signal für die künftige Entwicklung in Deutschland. "Die Befragung belegt die große grundsätzliche Bereitschaft der Kollegen, sich den neuen digitalen Möglichkeiten zu öffnen und diese als Chancen neuer Wege in der Versorgung zu sehen", erläutert Reinhardt. 
Trotz aller Euphorie sind sich die Studienteilnehmer aber auch der Tatsache bewusst, dass nach gültiger Rechtslage zum Beispiel ein ortsunabhängiger Austausch zwischen Arzt und Patient per Videokonferenz derzeit nur eingeschränkt möglich ist. Das in den Berufsordnungen verankerte Fernbehandlungsverbot sieht vor, dass der Videosprechstunde ein obligater persönlicher Erstkontakt von Arzt und Patient vorausgehen muss. Das Fernbehandlungsverbot könnte allerdings demnächst kippen. Das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, das Gesetz auf den Prüfstand zu stellen. Das wäre auch im Sinne der befragten Ärzte. Denn diese halten die Videosprechstunde für notwendig, um Versorgungsengpässe in ländlichen Regionen mit geringer Arztdichte aufzufangen.

Nutzen ist wichtig

In puncto Apps ist es den meisten Ärzten wichtig, dass Lösungen mit therapeutischer oder diagnostischer Funktion auf ihren Nutzen hin geprüft werden. 80 Prozent verlangen einen Nachweis des Nutzens durch klinische Studien, so wie es bei Medikamenten üblich ist. Ein etwas höherer Anteil von 84 Prozent kann sich eine Art TÜV vorstellen, um eine unabhängige Prüfung zu gewährleisten. Zwei Drittel fordern schlankere Evaluationsmethoden -
 insbesondere für Apps -, die nur verhaltensändernd wirken sollen. 38 Prozent sehen die medizinischen Fachgesellschaften und 27 Prozent die ärztliche Selbstverwaltung in der Pflicht, wenn es darum geht, die Apps in die Regelversorgung zu bringen und sie somit verordnungsfähig zu machen. 

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