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28.04.2022

Resilienz: Seelische Belastungen besser meistern

Wir alle erleben im Alltag die ein oder andere Belastungssituation. Wie gut wir diese meistern können, ist unter anderem eine Frage der Resilienz. Was sich dahinter verbirgt und wie sie sich trainieren lässt, verrät dieser Text.

Was ist Resilienz?

Resilienz ist die Fähigkeit, mit Krisensituationen oder Stressphasen angemessen umzugehen und sich danach ausreichend zu erholen, ohne dass daraus langfristige Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit entstehen.

Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen „resilire“, was so viel bedeutet wie „zurückspringen“. Ursprünglich wurde der Begriff in der Physik verwendet.

Dort beschreibt er die Fähigkeit eines Stoffes, nach einer Verformung, zum Beispiel durch Druck, wieder seine alte Form anzunehmen. In der Psychologie gibt es verschiedene Definitionen, die sich aber nur in Nuancen unterscheiden. Man könnte Resilienz auch unter dem Begriff „psychische Widerstandskraft“ zusammenfassen.

Je resilienter ein Mensch ist, desto besser kann er Belastungssituationen meistern, ohne dass seine psychische Gesundheit dauerhaft darunter leidet. Studien haben gezeigt, dass sich Resilienz auf das körperliche Wohlbefinden auswirken kann.

Resiliente Menschen können nicht nur besser mit Krisen umgehen, sie leiden auch unter anderem seltener unter Ängsten und Depressionen und besitzen eine höhere Lebenszufriedenheit.

Wodurch wird Resilienz beeinflusst?

Man geht heute davon aus, dass die Gene einen gewissen Einfluss darauf haben, wie resilient jemand ist. Untersuchungen zeigen, dass bei resilienten Menschen bestimmte Hirnregionen und -strukturen stärker ausgeprägt sind als bei weniger resilienten Personen.

Es ist also durchaus etwas dran an der Vermutung, dass manche Menschen einfach von Natur aus widerstandsfähiger gegen Stress und Krisen sind als andere.

Zur Resilienz gehören aber auch Faktoren (sogenannte Resilienzfaktoren), die sich trainieren lassen. Zum Beispiel bestimmte Einstellungen, Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die man beeinflussen bzw. fördern kann.

So trainieren Sie Ihre Resilienz

Zum Thema Resilienz gibt es inzwischen eine ganze Reihe Bücher und Internetseiten. Zwar wird in dem Bereich intensiv geforscht, ein einheitliches psychologisches Konzept existiert aber bislang nicht.

Diverse Coachingprogramme bieten geführte Resilienztrainings an, deren Inhalte sich teilweise voneinander unterscheiden. Gemeinsam haben die meisten, dass der Fokus auf Ressourcen gelegt wird, die jeder von uns in unterschiedlicher Ausprägung bereits in sich trägt.

Werden diese gestärkt, kann das dabei helfen, Krisen mental besser zu bewältigen. Zu diesen Resilienzfaktoren gehören zum Beispiel:

Optimismus: Resiliente Menschen können auch extrem belastenden Situationen noch etwas Gutes abgewinnen. Sie konzentrieren sich auch in Krisen auf positive Dinge – und wenn sie noch so klein und unscheinbar sind.

Hoffnung: Außerdem glauben sie daran, dass Krisen zeitlich begrenzt sind. Auch wenn sie länger andauern, werden irgendwann bessere Zeiten kommen.

Akzeptanz: Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann. Sich darüber zu ärgern oder gar zu verzweifeln, bringt nichts und kostet wertvolle Energie. Resiliente setzen sich mit Tatsachen auseinander, machen das Beste daraus und konzentrieren sich darauf, was sich aktiv beeinflussen lässt und wie. Sie sind also lösungsorientiert.

Selbstwirksamkeit: Darunter versteht man das Bewusstsein dafür, dass das eigene Handeln etwas bewirken kann und dass es immer einen gewissen Handlungsspielraum gibt. Im besten Fall entsteht daraus das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Erwartung, Krisen aus eigener Kraft bewältigen zu können.

Verantwortung und Verlassen der Opferrolle: Das eigene Handeln (auch Nichthandeln) hat Konsequenzen. Das heißt nicht, dass wir einen „Schuldigen“ finden müssen – weder in anderen noch in uns selbst. Solche Schuldgefühle wirken eher lähmend und machen uns handlungsunfähig. Anders sieht es aus, wenn wir auf gesunde Weise Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Resiliente Menschen stellen sich die realistische Frage, welchen Teil sie selbst zu einer Krise beigetragen haben. Und sie ziehen daraus Schlüsse, wie sie sich weiter verhalten und was sie daraus lernen können.

Soziales Netzwerk: In Belastungsphasen ist die Unterstützung von Familie und Freunden Gold wert. Zwar können sie in der konkreten Situation nicht immer etwas tun, aber das Wissen, ein stabiles Netzwerk im Hintergrund zu haben, ist wichtig für die psychische Gesundheit. Dieses Netzwerk gilt es zu pflegen.

Zukunftsplanung: Natürlich lässt sich nicht alles planen. Aber manche Krisen lassen sich durch eine gute Vorbereitung vermeiden. Das gilt zum Beispiel, wenn wir vor einer Entscheidung unsere Wahlmöglichkeiten abwägen und realistisch planen.

Vorsicht: Was Resilienz nicht ist

Der Begriff ist mittlerweile schon fast zum Modewort avanciert. Leider wird er oft genug falsch interpretiert, was zu Missverständnissen und falschen Schlüssen führt.

Bei Resilienz und dem Training derselben geht es nämlich nicht darum, innerlich abzuhärten und belastende Emotionen komplett an sich abprallen zu lassen. Es handelt sich dabei nicht um einen imaginären Schutzschild, den man nur ausreichend stärken muss, und schon ist man gegen alle Belastungen, zum Beispiel der Arbeitswelt gefeit – was Verbesserungen der Arbeitsbedingungen nahezu überflüssig machen würde.

Es geht darum, sich mit Krisen auf gesunde Weise auseinanderzusetzen. Resilienz kann dann auch bedeuten, bei einem deutlichen Anstieg von Arbeitsstress die Reißleine zu ziehen und mehr auf sich zu achten.

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Quellen:

https://www.pschyrembel.de/Resilienz%20/K0JPW/doc/

https://www.pschyrembel.de/Selbstwirksamkeit/P024L/doc/

https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/resilienz-gegen-stress-gewappnet/

https://www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/38838-resilienz-laesst-sich-lernen.html

https://www.haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/resilienz-was-ist-das-eigentlich_94_294646.html

 

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