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Diagnosen aus dem Netz mit Vorsicht zu genießen
29.04.2021

Diagnosen aus dem Netz mit Vorsicht zu genießen

Das Internet ist das größte Informationsmedium überhaupt. Das gilt auch für Gesundheitsthemen, zu denen es mehr Einträge gibt, als man zählen kann.

Viele Beiträge stammen aus seriösen Quellen, andere geben sich nur einen vertrauenswürdigen Anstrich und verbreiten nutzlose bis hin zu schädlichen Ratschlägen.

Um die gigantische Menge an Online-Artikeln richtig einordnen zu können, ist Patientenkompetenz gefragt.

Was ist Patientenkompetenz?

Ursprünglich ging man beim Begriff „kompetenter Patient“ von einem Menschen aus, der gut informiert ist und medizinische Fakten verstehen kann. Heute geht „Patientenkompetenz“ weit über die bloße Informiertheit hinaus. Laut der Stiftung Patientenkompetenz versteht man darunter:

  • Die Fähigkeit, sich den Herausforderungen der Erkrankung zu stellen,
  • sich auf eigene und fremde Ressourcen für die Krankheitsbewältigung zu besinnen und diese Ressourcen zu nutzen,
  • dabei auch persönliche Bedürfnisse zu berücksichtigen,
  • eigene Zielvorstellungen zu verfolgen und Autonomie zu wahren.

Es geht darum, gegenüber Ärzten und Krankenkassen oder Krankenversicherungen als gut informierte, mündige und autonome Person aufzutreten und zu entscheiden, wie viel Verantwortung man selbst für die eigene Gesundheit übernehmen möchte.

Dazu gehört auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Behandelnden sowie Mitsprache bei der Therapiewahl. Der Schlüssel dazu ist Information.

Wenn man Dr. Google fragt

Zu Beginn einer Erkrankung oder bei einzelnen Symptomen möchten Betroffene natürlich wissen, was dahinterstecken kann und was hilft. Schnell wird dann erst einmal die Suchmaschine gefüttert.

Das ist auch viel bequemer als beim Arzt anzurufen oder vorbeizugehen. „Dr. Google“ wird auch zügig allerlei Erklärungen liefern und Tipps zur Selbstmedikation bieten. Lange suchen möchten viele nicht.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal bei einer Google-Suche mehr als eine Seite mit Treffern durchgeklickt?

Und genau das kann ein Problem sein. Im Gegensatz zur Auskunft des Arztes oder der Ärztin basieren die Hinweise der Suchmaschine nicht auf einer vorangehenden Untersuchung und Befragung, sondern auf einem (für Anwender nicht immer nachvollziehbaren) Algorithmus.

Also auf einem Programm, das Suchergebnisse nach vermuteter Relevanz und Nützlichkeit auswählt – und nach anderen bisher von der Person getätigten Suchfragen. 

Das kann hilfreich sein, wenn es um grundlegendes Wissen zu bestimmten Erkrankungen aus vertrauenswürdigen Quellen geht. Doch ganz oben in der Liste der Suchergebnisse stehen oft auch Anzeigen und Links auf Artikel mit weniger guten Informationen.

Angesichts der Flut an Artikeln und Beiträgen, in denen die Autoren keinen Wert auf fachliche Neutralität und wissenschaftliche Quellen legen oder diese nur verwenden, wenn es ihnen gerade dienlich erscheint, ist der Rat von „Dr. Google“ mit Vorsicht zu genießen.

Welchen Websites kann ich vertrauen?

Hier kommt wieder die Patientenkompetenz ins Spiel. Denn es gibt Dinge, die man beachten kann, um sich die Recherche zu erleichtern und sich gut zu informieren.

Wenn es um Gesundheitsthemen im Netz geht, achten Sie darauf, dass die Seitenbetreiber unabhängig und ihre Informationen evidenzbasiert sind – also an der aktuellen medizinischen Studienlage ausgerichtet. Solche Informationsquellen nutzt auch die INTER Versicherung für die Beiträge auf dieser Website.

Ein gutes Beispiel für eine seriöse Quelle sind die Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das IQWiG klärt auf seiner Seite allgemeinverständlich über eine große Bandbreite von Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten auf und informiert über das Gesundheitssystem.  

Eine gute Adresse, um einen Überblick über bestimmte Krankheitsbilder sowie Vorsorge- und Pflegethemen zu bekommen, ist auch die Seite www.Gesund.Bund.de des Bundesministeriums für Gesundheit.

Von Asthma über Migräne bis Zahnfleischentzündung: In der Übersicht „Krankheiten A-Z“ finden Sie auf der Seite die Artikel zu Erkrankungen alphabetisch geordnet mit den Symptomen, Ursachen und Therapiemöglichkeiten.

Patientinnen und Patienten mit konkreten Fragen, die den Umgang mit ihrem Arzt, der Klinik oder der Krankenkasse betreffen, können sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden.

Weitere Tipps für die Suche im Netz

Schauen Sie sich die Seiten, von denen Sie medizinische Informationen beziehen genau an und beachten Sie die folgenden Punkte:

  • Sind Aussagen durch Literatur- und Quellennachweise oder Verlinkungen belegt?
  • Es sollte transparent sein, wer die Website finanziert und ob die Informationen dennoch neutral sind.
  • Gute Seiten sind aktuell.
  • Websites sollten keine übertriebenen Heilsversprechen enthalten. Klingt das alles zu gut, um wahr zu sein? Dann stimmt Ihr Bauchgefühl sehr wahrscheinlich.  
  • Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass es nicht immer nur eine Antwort auf eine Frage gibt. Nutzen Sie also mehrere Quellen und klicken Sie auch mal öfter auf Treffer, die weiter unten angezeigt werden.

Im Zweifel lieber zum Hausarzt

Geht es um eine Frage, die sich schnell klären lässt? Oder haben Sie den Beipackzettel eines Medikamentes verlegt und suchen entsprechende Informationen?

Dann kann die Suche im Netz ausreichen. Dennoch ist Medizin komplex und entwickelt sich stetig weiter. Wenn es um Erkrankungen geht, sollte man in erster Linie der Expertise von Fachleuten vertrauen.

Sobald Sie unsicher sind, ist Ihr Hausarzt oder Ihre Krankenkasse/Krankenversicherung der bessere Ansprechpartner, denn diese kennen Ihren gesundheitlichen Zustand besser als „Dr. Google“.

Die Recherche im Netz kann Sie auf das Arztgespräch vorbereiten, es aber auf keinen Fall ersetzen.

Extra-Tipp: Ernährungstipps im Netz

Gerade beim Thema Ernährung gibt es unzählige verwirrende Aussagen im Netz. Deshalb hat sich die INTER Versicherung ausführlich mit diesem Thema befasst. Mehr zum Thema ausgewogene Ernährung, lesen Sie hier.

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Quellen:

http://www.stiftung-patientenkompetenz.org/seiten_D/was_ist_pk_01.html

https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/gesundheitsthemen-im-internet

http://www.stiftung-patientenkompetenz.org/seiten_D/was_kann_ich_tun_01.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/43294/Stiftung-Patientenkompetenz-Zur-Eigenverantwortung-befaehigen

https://www.researchgate.net/publication/323701222_Patientenkompetenz_durch_Online-Portale_-_Eine_Funktionsanalyse 

 

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