Seit über 100 Jahren
Gendermedizin
27.05.2025

Gendermedizin: Warum dein Geschlecht in der Medizin eine Rolle spielt

Dass Männer und Frauen unterschiedlich ticken, wissen wir – aber wusstest du, dass das auch für deine Gesundheit gilt? Und zwar nicht nur ein bisschen. Geschlechtsspezifische Unterschiede beeinflussen, wie wir krank werden, welche Symptome auftreten, wie Diagnosen gestellt werden – und ob Therapien überhaupt wirken. Willkommen in der Welt der Gendermedizin!

Was ist Gendermedizin überhaupt?

Gendermedizin (auch: geschlechtersensible Medizin) schaut genauer hin: Wie wirken sich biologische Unterschiede – wie Hormone oder Körperbau – auf Krankheiten aus? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Erwartungen oder psychische Belastungen bei der Gesundheit von Männern, Frauen und non-binären Menschen?

Das Ziel: Alle sollen die beste medizinische Versorgung bekommen – egal, welches Geschlecht sie haben.

 

Wichtige Unterschiede auf einen Blick

Immunsystem: Frauen sind oft besser geschützt

Frauen haben ein aktiveres Immunsystem als Männer. Studien zeigen, dass das Hormon Östrogen die Immunabwehr stärkt, während Testosteron sie eher hemmt. Das bedeutet: Frauen werden seltener schwer krank – leiden dafür aber öfter an Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Rheuma.

Neueste Erkenntnisse (2023): Forschende der Universität Stanford fanden Hinweise, dass das Immunsystem bei Frauen nicht nur stärker, sondern auch „schneller“ reagiert – was auch Impfungen bei ihnen effektiver machen kann.

 

Herzinfarkt: Bei Frauen oft ohne Brustschmerz

Während Männer bei einem Herzinfarkt meist das klassische Engegefühl in der Brust haben, äußert sich ein Infarkt bei Frauen ganz anders: Übelkeit, Müdigkeit, Nackenschmerzen oder Atemnot. Diese „leiseren“ Symptome führen oft dazu, dass ein Herzinfarkt bei Frauen später erkannt wird – mit gefährlichen Folgen.

Wichtig zu wissen: Obwohl Frauen seltener einen Herzinfarkt bekommen, sterben sie häufiger daran – weil er zu spät erkannt wird.

 

Depressionen: Männer schweigen öfter

Depressionen sehen nicht bei allen gleich aus. Frauen wirken oft traurig, ziehen sich zurück und weinen. Männer hingegen zeigen häufiger Reizbarkeit, Wut, riskantes Verhalten oder Alkoholmissbrauch.

Achtung: Weil viele Männer nicht über Gefühle sprechen (dürfen?), bleibt ihre Depression oft unentdeckt. Der gesellschaftliche Druck, „stark“ sein zu müssen, verhindert, dass sie Hilfe suchen – ein echtes Problem.

 

Diagnosefehler durch Vorurteile

Ärztinnen und Ärzte sind auch nur Menschen – und manchmal schleichen sich alte Rollenbilder in die Diagnostik ein. Beispiel: Osteoporose gilt als typische Frauenkrankheit. Dass auch Männer daran erkranken können, wird häufig übersehen – und so bleiben viele Fälle unerkannt.

Reminder: Medizinische Forschung wurde jahrzehntelang fast nur an Männern betrieben. Erst seit rund 20 Jahren wird gezielt darauf geachtet, auch Frauen – und ihre spezifischen Merkmale – einzubeziehen.

 

Medikamente wirken unterschiedlich

Frauen und Männer verstoffwechseln Medikamente unterschiedlich. Zum Beispiel wird ein Wirkstoff bei Frauen oft langsamer abgebaut – was bedeutet, dass sie weniger davon brauchen. Trotzdem werden Dosierungen häufig nicht angepasst. Die Folge: Nebenwirkungen oder Überdosierungen.

Fun Fact: Auch die Wirksamkeit von Schmerzmitteln kann sich unterscheiden – manche Schmerzmittel wirken bei Frauen besser, andere bei Männern.

 

Beyond Binary: Mehr als nur Mann und Frau

Gendermedizin denkt heute weiter: Auch trans*, inter* und nicht-binäre Menschen brauchen medizinische Versorgung, die zu ihrer Lebensrealität passt. Hormontherapien, chirurgische Eingriffe oder psychische Belastungen müssen medizinisch anders begleitet werden – das ist noch ein ziemlich weißer Fleck auf der Landkarte der Forschung, aber es tut sich was.

 

Fazit: One size fits all war gestern

Wenn es um deine Gesundheit geht, zählt nicht nur dein Alter oder deine Gene – sondern auch dein Geschlecht, deine Hormone und wie du lebst. Gendermedizin bedeutet: individuelle Medizin, gerechtere Diagnosen und bessere Therapien.

Unsere Mission: Gesundheitsversorgung für alle – fair, präzise und modern.

 

INTER Gesundheitsservice: Für dich da – egal, wer du bist

Die INTER Versicherungsgruppe bietet Gesundheitsprogramme, die auch geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigen. Du willst mehr über Prävention, Diagnostik oder passende Therapien wissen? Dann schau in unseren Gesundheitsservice – für eine Medizin, die wirklich zu dir passt.

 

 

Christiane Gagel

Christiane Gagel ist die Expertin, wenn es darum geht, komplizierte Themen auch für den Laien verständlich zu machen. Sie verwandelt trockene Vertragsklauseln in praxisnahe Ratgeber. Ihr Motto: Nicht nur in Fragen der Gesundheit muss ein Thema verständlich und zugänglich erklärt werden. So unterstützt sie ihre Leser dabei, kluge Entscheidungen rund um die PKV, Vorsorge, Leistungen und Versicherungen im Allgemeinen zu treffen.

Weitere Artikel finden
Gesundes Raumklima: Worauf soll man achten?
15.08.2024

Gesundes Raumklima: Worauf soll man achten?

Welche Krankenzusatzversicherungen sind für Kinder sinnvoll? Ein Guide für junge Familien
12.06.2025

Welche Krankenzusatzversicherungen sind für Kinder sinnvoll? Ein Guide für junge Familien

Parodontitis: So schützen Sie Ihre Zähne
25.09.2025

Parodontitis: So schützen Sie Ihre Zähne

Diese Themen könnten Sie interessieren: