Seit über 100 Jahren
Praxisausfall Ratgeber
05.11.2021

Praxis kurzfristig geschlossen - Was jetzt?

Patienten haben in Deutschland ein immenses Vertrauen in ihren Arzt. Sie gehen in der Regel davon aus, dort zu den Praxiszeiten immer medizinischen Rat zu bekommen und erwarten, dass einmal vereinbarte Termine auch stattfinden. Doch was ist, wenn die Praxis kurzfristig schließen muss? Hier gibt es einiges zu bedenken, damit alle Beteiligten diese Zeit mit so wenig Verlusten wie möglich überbrücken können.

Unvorhersehbare Risiken

Die Gründe einer außerplanmäßigen Praxisschließung können vielfältig sein. Eher selten liegen sie in der Verantwortung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Denkbar sind zum Beispiel Sachschäden wie etwa ein Rohrbruch oder ein Brand.

Auch ein Einbruch, bei dem die Täter einen erheblichen Vandalismusschaden hinterlassen haben, kann den Praxisbetrieb kurzfristig lahmlegen. Ärzte können auch durch Unfall oder Krankheit kurzfristig ausfallen. Trotz aller Vorsicht und Impfungen besteht auch das Risiko, dass Mediziner sich mit dem Covid-19-Virus infizieren und durch die örtliche Gesundheitsbehörde unter Quarantäne gestellt werden.

Kurzfristige Praxisschließung: Was muss der Arzt im Auge behalten?

Eine kurzfristige Schließung einer Arztpraxis ist zunächst einmal unangenehm für die Patienten, die nun spontan umplanen oder mit einem späteren Termin vorliebnehmen müssen. Der eine oder andere wird möglicherweise auch angesichts der verschlossenen Praxis verärgert reagieren.

Für niedergelassene Ärzte hat eine kurzfristige Schließung aber auch finanzielle Auswirkungen. Am offensichtlichsten ist natürlich der Verdienstausfall. Doch zu den für die Schließungszeit fehlenden Einnahmen kommen auf der anderen Seite die weiterlaufenden Ausgaben, die nun meist aus dem ärztlichen Privatvermögen beglichen werden müssen.

Welche Fixkosten bei Ihnen durch den Praxisbetrieb jeweils anfallen, wissen Sie selbst am besten: Die Gehälter, wahrscheinlich die Miete für die Praxisräume und die Nebenkosten sowie Versicherungsprämien. Eventuell kommen noch Leasingraten für medizinische Geräte und gegebenenfalls Zins- und Tilgungsraten für laufende Kredite hinzu.

Wie kann ich mich absichern?

Zunächst einmal eine gute Nachricht: Zumindest gegen die finanziellen Schäden einer kurzfristig nötig gewordenen Praxisschließung kann man sich im Vorhinein häufig absichern. Es gibt verschiedene Versicherungen, die bei Praxisschließungen aus unterschiedlichen Ursachen greifen. Hier ein Überblick:

Betriebsunterbrechungsversicherung

Muss die Praxis aufgrund eines Sachschadens, wie beispielsweise wegen einer Überschwemmung durch einen Rohrbruch oder wegen eines schweren Sturmschadens für einige Zeit schließen, sorgt eine Betriebsunterbrechungsversicherung dafür, dass laufende Betriebskosten wie Miete und die Gehälter für Ihre Mitarbeiter weiter überwiesen werden können.

Praxisausfallversicherung

Kommt es zu einer Praxisschließung ohne vorherigen Sachschaden, weil die leitende Ärztin oder der leitende Arzt wegen eines Unfalls oder einer Krankheit nicht zur Arbeit erscheinen kann, springt die Praxisausfallversicherung ein. Es gibt übrigens auch Praxisausfallversicherungen, die zusätzlich den Ausfall durch Sachschäden abdecken. Ob ein solcher Tarif für Sie Sinn macht, klären Sie am besten direkt mit dem Versicherer.

Krankentagegeldversicherung

Privat versicherte Ärzte haben, anders als gesetzlich versicherte Personen, nach sechs Wochen Krankschreibung keinen Anspruch auf das sogenannte Krankengeld. Das gilt neben selbstständigen Ärzten übrigens auch für privat versicherte angestellte Mediziner. Wenn privat versicherte Ärzte einen Anspruch auf Krankengeld haben möchten, um Einkommensverluste auszugleichen, kommt für Sie eine Krankentagegeldversicherung in Frage. Die im Krankheitsfall nach sechs Wochen ausgezahlten Beträge können deutlich höher sein als bei der gesetzlichen Krankenkasse.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Es kann auch passieren, dass der Arzt längerfristig ausfällt oder aufgrund einer permanenten Berufsunfähigkeit seinen Beruf nicht weiter ausüben kann. Als berufsunfähig gilt, wer aufgrund von Unfall oder Krankheit voraussichtlich mindestens sechs Monate lang weniger als 50 Prozent seiner beruflichen Tätigkeit ausüben kann. In diesem Fall springt die Berufsunfähigkeitsversicherung ein und unterstützt Betroffene bei den Kosten für den Lebensunterhalt in Form einer Berufsunfähigkeitsrente.

Lassen Sie sich am besten persönlich beraten, welche Versicherung für Sie und Ihre Praxis sinnvoll ist. Diese Fragen betreffen übrigens nicht nur Haus-, Fach- und Zahnarztpraxen, sondern auch Tierärztinnen und Tierärzte mit eigener Praxis.

Wie sage ich es meinen Patienten?

Im Kontakt mit Ihren Patienten aber auch gegenüber Ihren Angestellten empfiehlt es sich, im Fall einer durch außergewöhnliche Umstände erzwungenen Praxisschließung die Gründe transparent darzulegen. Betroffene Patienten sollten, wenn möglich, vor ihrem Termin informiert werden und von der Schließung nicht erst vor der Praxis erfahren.

Es könnte hilfreich sein, eine Liste möglicher Vertreter mit den jeweiligen Kontaktdaten zur Hand haben, an die sich Ihre Patienten im Notfall vertretungsweise wenden können.

Erfahrungsgemäß haben Patienten Verständnis dafür, wenn sie erkennen, dass Sie keine Verantwortung für derartige Probleme tragen und Ihr Bestes tun, um die Situation möglichst reibungslos zu bewältigen. Das oft in Jahrzehnten aufgebaute Vertrauen zu Ihnen als Mediziner sollte dann auch nicht unter einer kurzfristigen Praxisschließung leiden.

Quellen:

www.aerzteblatt.de/archiv/171930/KBV-Versichertenbefragung-Patienten-vertrauen-ihren-Aerzten

https://www.aerzteblatt.de/archiv/207861/Praxisgruendung-Gut-abgesichert-in-die-Niederlassung

www.aerzteblatt.de/archiv/40236/Technik-Finanzierung-Leasen-oder-kaufen

www.aerzteblatt.de/archiv/80575/Praxisfuehrung-Wenn-der-Arzt-krank-wird

https://www.baz-finanzen.de/2021/01/21/praxisversicherungen-ratgeber-fur-arzte/

https://www.patientenberatung.de/de/informationen/recht/anspruch-auf-krankengeld#Wer%20Krankengeld%20bekommt

https://www.hausarzt-bw.de/News/2021_10_05_hpm_ausgabe-4~n-1793

 

 

Passend zum Thema

Junge Frau mit Corona Maske
23.02.2021

Maskenpflicht - Was ist erlaubt?

Ausbildung trotz Corona
20.01.2021

Versicherungsschutz für Azubis

Familienversicherung ade. Wo muss ich mich jetzt selbst versichern.

Fit im Homeoffice
25.02.2021

Homeoffice: Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Fit im Home Office - Tipps & Tricks.

Diese Themen könnten Sie interessieren: