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02.09.2021

Risiko Arztberuf: Achten Sie auf sich!

Ärztinnen und Ärzte genießen in Deutschland ein hohes Ansehen. Doch das ändert nichts daran, dass der Alltag vieler Medizinerinnen und Mediziner stressreich und ungesund ist: Wenig Schlaf, lange Arbeitszeiten und kaum Freizeit sind für viele von ihnen stetige Begleiter.

Verstärkt wird der Zustand oft noch durch Personalmangel, Arbeitszeitverdichtung, Kostendruck und Bürokratie. Der Arztberuf kann daher auch krank machen.

Welche Belastungen bringt der Beruf mit sich?

2011 zog beispielsweise eine Studie des Universitätsklinikums Heidelberg das Fazit: Der Arztberuf gehört zu den besonders gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten.

Je nach Fachrichtung begegnen Ärzte dabei eine ganze Reihe von unterschiedlichen Gesundheitsrisiken. Da sind zum einen die körperlichen Belastungen: Eine häufig gebückte Haltung bei Untersuchungen oder Operationen, oft gepaart mit langem Stehen.

Häufig kommen ungeregelte Arbeits- und Essenszeiten sowie Schichtdienste hinzu. Dass die Tätigkeit solche Risiken mit sich bringt, ergibt sich meist auch nicht nur in Ausnahmefällen, sondern häufig über Jahre.

Lange bleiben die Auswirkungen unbemerkt. Die Betroffenen haben sich oft „daran gewöhnt“ unter ungünstigen Bedingungen zu arbeiten und es als junge Mediziner oft noch „gut weggesteckt“. Die körperlichen Folgen können sich dann nach mehreren Jahren einstellen.

Psychische Belastung

Doch auch die mentale Belastung kann zum Problem werden. Dabei spielen unter anderem Zeitdruck und gestiegene Patientenerwartungen eine Rolle. Auch das häufig hohe Maß an Verantwortung, verbunden mit der Angst vor Kunstfehlern und auch die Zunahme von Verwaltungstätigkeiten tragen zu der Problematik bei. Die Folgen der Covid19-Pandemie haben viele bestehende Schwierigkeiten wohl noch verschärft.

Viele Ärztinnen und Ärzte aus deutschen Krankenhäusern und Praxen klagen in unterschiedlichen Befragungen über den hohen Druck im Beruf.

Laut dem Deutschen Ärzteblatt treten Burn-out, Depressionen, Angststörungen und Suizidalität bei Ärztinnen und Ärzten – auch bei angehenden – in Deutschland häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

Hoher Anspruch an sich selbst

Doch sich bei körperlichen oder mentalen Problemen selbst krankschreiben zu lassen und medizinische Hilfe bei Kolleginnen und Kollegen zu suchen, ist für einen Großteil der Ärzte meist kein Thema. Oft ist die Achtsamkeit gegenüber der eigenen Gesundheit bei Menschen mit Arztberuf weniger ausgeprägt als bei den Personen, die sie behandeln.

Der Krankenstand unter Ärztinnen und Ärzten gilt als vergleichsweise niedrig. In einer US-Studie aus dem Jahr 2014 gaben beispielsweise 80 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte an, im vorangegangenen Jahr krank gearbeitet zu haben.

Die Gründe reichen von der hohen Identifikation mit der Arbeit über die oft große Verantwortung bis zum Gefühl, die ebenfalls stark beanspruchten Kolleginnen und Kollegen nicht „im Stich lassen zu wollen“.

Ärztetag-Thema: „Wenn die Arbeit Ärzte krank macht“

Die Gesundheitsrisiken durch die Arbeit werden von Medizinerinnen und Medizinern durchaus auch intern und öffentlich angesprochen. 2019 war das Thema „Wenn die Arbeit Ärzte krank macht“ einer der Schwerpunkte beim 122. Deutschen Ärztetag in Münster. Es geht auch gar nicht allein um Medizinerinnen und Mediziner.

Denn die Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten so schlecht sind, dass sie krank werden und so weiterarbeiten, kann sich das am Ende negativ auf die Behandlung der Patientinnen und Patienten auswirken.

Die Delegierten aus der Ärzteschaft appellierten an Führungskräfte, und Gesetzgeber, für gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Letztlich sind Ärzte Menschen mit Sorgen und Ängsten wie jeder andere auch. Es ist für sie wichtig, sich der Risiken, die ihre Arbeit mit sich bringt, bewusst zu sein – und sich um sich bei allem Stress auch um sich selbst zu kümmern.

Bewusstsein schaffen

Doch wie kann sich etwas ändern? Eine Möglichkeit ist das Erlernen von mehr Achtsamkeit. Immer wieder bieten zum Beispiel Ärztekammern Kurse zu Themen wie „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ an. Der Begriff „Achtsamkeit“ bedeutet dabei, die Aufmerksamkeit immer wieder zum gegenwärtigen Moment zurückzubringen.

Meist lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Kurse durch Meditationen und Körperübungen, ihre Atmung, ihre Körperempfindungen und ihre Gefühle wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten.

Es geht darum zu lernen, den Herausforderungen des Berufs mit mehr Ruhe, Klarheit und Akzeptanz zu begegnen. Diese Methode eignet sich allerdings nicht für jeden und jede.

Studierende sensibilisieren

Fachleute verweisen in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung, bereits im Medizinstudium für das Problem zu sensibilisieren und Angebote zum Thema Studierendengesundheit zu machen.

Ein entsprechendes Pilotprojekt ist jetzt unter dem Titel „FIT im Studium“ an der medizinischen Hochschule Hannover gestartet. Es wird vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert wird. Dabei sollen Lehrveranstaltungen mit Bezug zur Studierendengesundheit vernetzt werden.

Diese Veranstaltungen sollen früh im Studium einsetzen. Ziel sei es, am Ende des Studiums „gesundheitsbewusstere, zufriedenere und resilientere“ Absolventinnen und Absolventen in den Beruf zu entlassen.

Spezielle Absicherung für Medizinerinnen und Mediziner

Für Medizinerinnen und Mediziner in der Berufspraxis gibt es einige Möglichkeiten, sich gegen die Folgen der beruflichen Gesundheitsrisiken abzusichern. So haben sie einige Punkte weniger, um die es sich zu sorgen gilt. Das kann besonders im stressigen Arztberuf einiges an Druck nehmen.

Neben der privaten Krankenversicherung sind das insbesondere:

Auf den Webseiten des Heilwesenservice der INTER Versicherungsgruppe finden Sie weitere Informationen und passende Angebote.

Quellen:

https://www.zeit.de/campus/2016/01/aerzte-krankenhaus-gesundheit-arbeitsbedingungen-ungesund

https://www.aerzteblatt.de/archiv/65948/Gesundheit-von-Aerzten-Der-Beruf-macht-krank

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26146908/

https://arztgesundheit.de/wp/wp-content/uploads/shaeb_102017_s24-25.pdf

https://www.aerzteblatt.de/archiv/208223/Arztgesundheit-Kuenftig-nicht-nur-eine-Floskel

https://www.mhh.de/allgmed/fit-im-studium

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